Was war geschehen?

Dies sind meine privaten Aufzeichnungen

Florian

Diese dürfen sie gern an alle Menschen weitergeben, die mir bei der Suche meines Sohnes behilflich sein wollen. Aber ich möchte sie bitten, diese Aufzeichnungen nicht ohne meine Zustimmung im Internet zu veröffentlichen. Besser ist es auf meine Seite hier, auf ihren Homepages ,Blogs usw. zu verweisen! Vielen Dank!

hier sind Florians Daten:

Florian Krüger
Bordesholm
geb: 03.05.1990
gelernter IT- Systemelektroniker
(gearbeitet hatte er bei t- com in Elmshorn)
 

Bitte alle Bilder zum vergrößern anklicken!
Zum Geschehnisablauf:
hochbrücke


In der Nacht vom 25. auf den 26. November 2011 wurde der Audi meines Sohnes auf der Kieler Holtenauer Hochbrücke gefunden. Der Wagen stand nachts um 2 Uhr mit eingeschalteter Zündung und Warnblinkanlage mitten auf der Brücke!

Von Florian aber fehlte jede Spur. Ein zufällig vorbeifahrender Rettungswagen hatte die Polizei über das parkende Auto informiert. Die Polizei fand dann im Auto Florians Handy mit einer Sms an seinen Kumpel: „Kevin hat Schluss gemacht. Für mich hat das Leben keinen Sinn mehr“.

Seine Geldbörse hat er anscheinend bei sich, die wurde nie gefunden.

Es fiel es uns allen schwer zu glauben, dass Florian gesprungen sei.

Florian ist 21 Jahre alt, hat einen festen Arbeitsplatz bei der Telekom, eine eigene Wohnung, er hat einen Freund (mit dem es aber kriselte).
Ich als seine Mutter weiß schon seit ca 5 Jahren, dass mein Sohn homosexuell ist. Er hat es in den letzten Jahren auch vielen Menschen in seinem Umfeld erzählt (nur seinem Vater und seinem Bruder noch nicht).

Flo ist ein sehr familiärer Mensch, steht fest im Leben. Neben seinem Beruf geht er zum Sport, hat einen großen Freundeskreis und macht nebenbei Musik als DJ. Es hat nie Anzeichen für eine Depression oder Suizid gegeben.

Wir haben dann die Nacht folgendermaßen recherchiert:

am Freitagabend von 22:00 Uhr hat Florian in Bordesholm (seinem Wohnort) in einem Bowlingcenter Musik aufgelegt. Danach ist er nach Kiel in die „Traumfabrik“ gefahren, dort war Gay- Abend in einer Discothek. Er traf sich dort mit 2 Kumpels und redete ca ½ Stunde mit ihnen. Gegen 1:00 Uhr verabschiedete er sich mit den Worten „Ich bin müde, ich fahre nach Hause“. Er fuhr aber nicht nach Hause, sondern zu seinem Freund Kevin (in Kiel). Dort muss er gegen 01:30 Uhr gewesen sein. Er wollte mit Kevin über die Beziehung sprechen. Kevin vertröstete ihn auf den nächsten Tag. Florian hat dann wohl noch eine Weile vor Kevins Tür in seinem Auto gesessen und die „Abschieds- Sms“ geschrieben. Diese erhielt aber nicht Kevin, sondern sein Kumpel in der Disco.
Florian ist dann wahrscheinlich gegen 01:45 Uhr auf diese Brücke gefahren.

Die Kripo Kiel hat am Samstag, 26. November seinen Vater informiert, dass Florian wahrscheinlich Suizid begangen hat.

Da wir dies nicht glaubten, haben wir (in Absprache mit der Kieler Polizei) am Dienstag, den  29. November 2011 eine Vermisstenmeldung bei Facebook online gestellt.
Diese Meldung wurde knapp 7000 mal geteilt.


Am Mittwoch meldete sich dann ein Hundetrainer. Er bot uns an, über Mantrailing Florians Spur auf der Brücke zu verfolgen. Der Kripobeamte stimmte zu, sagte aber, die Suche könne man sich sparen, Flo liegt im Kanal und man müsse nur abwarten, dass seine Leiche auftaucht.

Wir haben uns aber entschlossen, das Angebot des Hundeführers anzunehmen. Mit einem Kleidungsstück meines Sohnes sind wir zu dieser Brücke gefahren. Der Hund ging 2 mal die Strecke: von der Brücke, wo flo vermutlich über die Fahrbahnabsperrung geklettert war, zum Geländer und dann am Ende der Brücke eine Treppe hinunter. Unten auf der Uferstraße endete dann die Spur. Der Hundetrainer erklärte, hier müsse oder könnte flo von jemanden mitgenommen worden sein.
Schwulenchat Funkyboys
Etwa 6 Tage nach Florians Verschwinden bekam ich den Hinweis (von seinem Freund Kevin), dass Florian in einem Schwulen- Chat (funkyboys) online war, nachts um kurz vor 5 Uhr.

Kevin und ich haben dann leider den Fehler gemacht, den Administrator des Chats anzuschreiben, mit der bitte uns die IP zu geben, da Florian vermisst wird. Der Forenbetreiber hat dann leider Florians Account dort sperren lassen.

Die Indizien mit der Hundesuche und dem Chat habe ich der Kripo mitgeteilt. Sie sahen aber immer noch keine Veranlassung, etwas zu unternehmen.
Man war inzwischen aber bereit, Florian in die Fahndung zu nehmen

 (Kriminalpolizei kiel, K 11, VG Nr. 675566/2011 Herr Haß).

Was wir unternommen noch haben:

Wir haben in Kiel, Neumünster, Hamburg, Elmshorn und Eckernförde Flyer mit Florians Vermisstenanzeige aufgehängt.

Die örtlichen Radiosender waren schon sehr früh bereit, Zeugen zu suchen. Aber nachdem sie sich bei der Kripo rückversichert hatten (die Radiosender müssen natürlich sehr genau mit der Kripo absprechen, welche Worte sie benutzen, ob Suizid, Hochbrücke, Abschieds- sms oder schwul in den Meldungen auftauchen dürfen oder nicht), kam leider nichts mehr.

Bereits im Dezember hatte sich ein junge Dame aus Duisburg gemeldet, sie habe Florian dort auf einem Parkplatz mit einem Hund gesehen. Nachdem sie mich im März noch einmal informierte, dass sie flo wieder gesehen habe, sind mein Partner und ich nach Duisburg gefahren und haben die Gegend abgesucht und Flyer aufgehängt.

3 Wochen nach dieser Aktion rief mich ein Sven aus Duisburg an und teilte mir mit, dass flo seit 2 Monaten bei ihm leben würde. Er wollte flo aber nicht rauswerfen oder „ausliefern“. Aber so ginge es nicht weiter, weil Sven selbst eine neue Wohnung suche und seit 2 Monaten auch alles bezahle. Selbst gutes zu reden half mir nicht, die Adresse des Mannes rauszubekommen.

Aber ich habe dann über die Handynummer erfahren, wo dieser Sven wohnt und mein Partner und ich sind dann erneut nach Duisburg gefahren und haben das Haus beobachtet. Leider haben wir flo nicht gesehen und da wir nicht wussten, wie Sven aussieht und auch kein Namensschild am Haus angebracht war, sind wir dann zur Kripo Duisburg gefahren.

Die waren sofort bereit, eine Vermisstenmeldung aufzunehmen und diesen Sven zu befragen. (in NRW wird sofort gehandelt, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht- und nachdem ich Flohs Geschichte mit der Hochbrücke und dem evtl. Suizidversuch berichtet hatte, wurde die Kripo noch während unserer Anwesenheit aktiv).

Leider konnte uns die Kripobeamtin einige Tage später nichts Gutes berichten: dieser Sven war zur Vorladung nicht erschienen.
Aber die Beamten hatten sich in seiner Wohnung umgesehen und anscheinend nichts von flo gefunden (wie denn auch, flo war ohne persönliche Dinge verschwunden). Ich solle den Sven als Spinner abtun, der wollte sicher nur Geld erpressen.
Ich fragte die Kripobeamtin, was mit der anderen Zeugin aus Duisburg (Dana) sei.
Die Beamtin hatte mit ihr telefoniert und Dana gefragt, wie sicher sie sich sei, dass sie Florian gesehen habe: TAUSEND % !!! darauf lachte die Beamtin und meinte: mehr als 100 % gibt es ja gar nicht.
Dana wäre sogar bereit, ihre Aussage vor laufender Kamera zu machen.

Im Juni 2012 haben wir eine erneute Suchmeldung bei facebook gestartet.
2 personen haben sich gemeldet, dass sie Florian (in den letzten Wochen) in Pinneberg bzw Elmshorn gesehen haben wollen. Leider bekam ich auf meine privat geschriebenen Anfragen keine Antwort mit Details.

Im Juli kamen dann vermehrt Meldungen aus Berlin und Hamburg.
Ein Berliner Rechtsanwalt rief mich an und war sich relativ sicher, Florian am Berliner Hauptbahnhof gesehen zu haben. Ich habe dann eine Bekannte in Berlin um Hilfe gebeten. Sie ist zum Infostand am Bahnhof gefahren und hat die Bahnbeamten befragt, ob sie Florian schon mal gesehen haben.
Eine Ticketverkäuferin sagte, es könne sein, dass sie Florian gesehen habe. Sie sagte auch, dass sie flo wahrscheinlich ein Zugticket nach HH verkauft habe, war sich dessen aber nicht mehr zu 100% sicher.
Ein FB user schrieb mich an und meinte, er habe Florian auf dem Christopher- Street- Day in Berlin auf der Spree gesehen.
Auch kamen Meldungen aus HH. Ein Barkeeper einer Schwulenbar sagte, er habe Florian in der Bar schon einmal bedient. Bei weiteren Befragungen im Umfeld sagten einige Leute, sie hätten Florian schon mal gesehen (die meisten Meldungen kamen vom Kiez und vom HH Bahnhof).

In den meisten Städten sind wir selbst gewesen und haben nach Florian Ausschau gehalten.

Da es durch die Bundespolizei verboten ist, im Bahnhof (zumindest in Berlin und HH) Flyer aufzuhängen, hatte ich die Idee, Werbeflächen zu mieten und Florians Suchmeldung dort zu veröffentlichen (ähnlich wie auf Litfaßsäulen, Werbeposter in den Bushaltestellen oder große Wandplakate). Da solche Werbung eine Menge Geld kostet und ich es mir finanziell überhaupt nicht leisten konnte, wollte ich es über einen Spendenaufruf versuchen.

Die Christuskirche Bordesholm hat  dann sich bereit erklärt, Spenden für Florian anzunehmen, wollte  aber in Artikeln nicht groß genannt werden.

Plakataktion Berlin

Vom 3.12. bis 9.12.2012 waren in Berlin nun an 320 Wartehäuschen der Straßenbahnen und Busse für eine Woche diese Plakate ausgehängt.

Eine Dame rief mich an und meinte, sie habe Florian an der Bushaltestelle „Marchstraße“ aussteigen sehen.
Mein Partner und ich sind dann nach Berlin gefahren. Die „Marchstraße“ liegt in Charlottenburg- dort gibt es leider keine Wohnhäuser. Hier gibt es hauptsächlich Universitäten.
Als wir uns in einer Tankstelle aufwärmen wollten und der Angestellten Florians Foto zeigten, tippte diese immer wieder auf das Bild und meinte: „Der kommt mir soooo bekannt vor“. Sie wollte den Flyer bei den Angestellten und Studenten rumzeigen. Leider hat sie sich nie wieder gemeldet.

Hilfe durch die Medien


Die Kieler Nachrichten, die Bordesholmer Rundschau und der Westenseher haben es abgelehnt oder mich auf einen späteren Zeitraum vertröstet.

RSH reagierte auf meine mail auch nur, weil eine Freundin einen etwas „giftigen“ Post auf deren FB Seite schrieb. RSH bekommt ja leider sooo viele Anfragen. Sie werden das prüfen und sich dann melden.

Hilfe durch Seelsorger

Die Polizei hat sich mir gegenüber die ganze Zeit „bedeckt“ gehalten. Mein geschiedener Mann, Florians Vater (wohnt vor Plön) wurde damals persönlich aufgesucht und über Florians verschwinden informiert. Ihm wurde auch psychologische Hilfe angeboten. Ich wohne im selben Dorf wie Florian, mich hat man nicht persönlich informiert, mir wurde auch nie psychologische Hilfe angeboten. (mein Exmann rief mich an und erzählte mir alles am Telefon).
Wenn ich Meldungen (Chat, Hundespur, Zeugen) an die Kieler Polizei weiterleitete, gab es nie eine Rückmeldung oder Antwort.
Die einzige Aussage der Polizei war immer wieder: „Florian ist Erwachsen, er hat keine Straftat begangen und kann seinen Lebensraum frei wählen.
(doch was ist mit dem Geschehen auf der Brücke, die SMS?)

Hilfe für die Selbsthilfe auf der Suche nach Florian

26.11.2012

Die Veröffentlichung des Spendenkontos in den Medien haben die meisten abgelehnt. Es kam nicht mal eine Rückmeldung auf meine Anfragen. Die einzigen, die den Mut hatten, mir das selbst zu sagen, waren die Kieler Nachrichten.

Nachdem ich die Initiative vermisste Kinder  um Hilfe gebeten hatte, wollten sie die Suchmeldung veröffentlichen. Die Meldung ist bei „Deutschland findet euch!“ inzwischen mehr als 15.000  mal geteilt worden.

 

Trotz all der vielen Niederlagen und Enttäuschungen möchte ich mich bei allen

privaten Helfern bedanken die mich bislang unterstützt haben.

vielen Dank! Euch Allen!

Marion Krüger

Aktuelles 05.06.2015

Viele Monate habe ich meine Aufzeichnungen liegen lassen und nicht weiter geführt.
in dieser Zeit ist viel geschehen.

Nein, Florian hat sich nicht gemeldet, ich muss immer noch mit der Ungewissheit leben.

Ich habe eine Therapeutin aufgesucht und in vielen Sitzungen mit ihr über alles gesprochen.

Mein Arbeitgeber hat mir gekündigt.

Ich habe eine Krebserkrankung hinter mir.

Mein Partner und ich sind umgezogen, wir wohnen jetzt in Kiel.

Ende letzten Jahres wurde ich auf ein Fakeprofil aufmerksam: da hatte sich jemand mit Florians Namen bei Facebook angemeldet. Da mein Kontakt mit der Polizei bis dahin ja eher einseitig und negativ war, habe ich die Kripo per Email auf das falsche Profil aufmerksam gemacht.

Als dann ein Kripobeamter anrief und sagte, er wolle sich drum kümmern, brachen für uns völlig neue Zeiten an !!
Wir haben offen miteinander geredet und seitdem läuft alles anders.

Wenn ich Fragen habe, wenn ich Ideen habe, wenn mir eine Theorie im Kopf rum schwirrt, kann ich ihn anrufen. Wenn er Fragen hat, wenn er etwas Vergangenes noch einmal hervor kramt, wenn er eine alte Spur neu verfolgt, dann kann er mich anrufen.

Dieser Beamte ist der Meinung: wir haben eine Chance von 50/50, dass Florian lebt. Und er möchte mit uns die Sache bis zu Ende durchstehen - wie auch immer es ausgehen mag.

 Wir waren in Hamburg, Berlin, Duisburg, Schwarzenbek, Elmshorn... wäre der Weg nicht so weit gewesen, dann wären wir sogar in die Dominikanische Republik und ans spanische Festland gereist.
Es gab eine Zeit, da war ich am Ende meiner Kräfte, der Akku war leer.

Ich brauchte lange, um meine Batterien wieder aufzuladen.

Jetzt habe ich wieder genug Kraft, um noch einmal durchzustarten und mit Elan und Hoffnung meinen Sohn zu suchen.

Marion Krüger